linie04

Reisebericht

Daten zur Reise:
Datum: 11.10 - 26.102002
Anbieter:
http://www.reisen.kleeblatt.de
Reiseumfang: 2 Tage Kairo, 7 Tage Nilkreuzfahrt (MS Florence 5 *), 5 Tage Hurghada (Desert Rose 5*)

Vorwort:
Ägypten fasziniert mich schon seit langem. Ich verpasse fast keine TV Dokumentation und habe bereits einige Bücher gelesen (Romane, wie auch Fachbücher). Ursprünglich war bereits vor ein paar Jahren eine Reise nach Ägypten gebucht, aber 10 Tage vor Reisebeginn war das grosse Touristenmassaker beim Hatschepsut Tempel, so das wir die Reise erst einmal verschoben haben.
Bevor ich das im Bericht des öfteren erwähne, erwähne ich das nur einmal, hier an dieser Stelle:
Das einzigste was mich an dieser Reise teilweise störte, waren die sehr oft überfüllten Anlagen. Vermutlich habe ich mir die falsche Reisezeit ausgesucht. Durch die Überfüllung musste man auch teilweise längere Wartezeiten in Kauf nehmen, so das die Zeit die für eine Besichtigung zur Verfügung stand oft sehr knapp wurde. Dadurch hatte man leider wenig Gelegenheit, sich die Anlagen richtig anzusehen, bzw. das Gesehene zu genießen. Gerne hätte ich mich mal für 10 Minuten an einen ruhigen Ort in einem Tempel gesetzt, um die Faszination die von diesen Bauten ausgeht, richtig und bewusst aufzunehmen. Dies werde ich aber bestimmt noch zu einem späteren Zeitpunkt nachholen.
Was mich noch störte: Das Verhalten und die Ansprüche mancher Touristen. Wenn man in ein orientalisches Land reist, dann sollte man sich auch darüber im klaren sein, dass dort vieles anders ist als in Europa! Und, wenn es heißt Blitzlichtverbot, dann nicht um die Touristen zu ärgern, sondern um die oft einmaligen Wandmalereien zu schonen!
So, nun aber zu zum Reisebericht. Ich versuche diesen Kurz zu halten, obwohl ich jetzt Stundenlang von den Eindrücken schreiben könnte.

Der Bericht:
Tag 1:
Abflug/Ankunft:
Der geplante Abflugtermin war Freitag um 20:20Uhr in Berlin Schönefeld. Durch ein techn. Defekt, der mit viel Ärger für die Passagiere verbunden war, startet die Maschine erst am nächsten Tag (Samstag) um 15:20 Uhr. Details dazu spare ich mir ;)
Abends in Kairo eingetroffen wurden wir von unserem Reiseleiter in Empfang genommen. Unser Gruppe bestand zu diesem Zeitpunkt aus nur 4 Leuten, da die anderen ja bereits einen Tag früher eingetroffen sind. Durch die Flugverzögerung fehlte uns ein Tag in Kairo und somit wurde nur ein verkürzstes Programm durchgeführt. Memphis und Sakkara haben wir leider nicht gesehen.
Tag 2:
Am Sonntag ging es dann erst einmal nach Gizeh zu den Pyramiden. In meinen Vorstellungen waren die Pyramiden eigentlich ein Highlight der Reise, doch als wir dort ankamen, war ich doch etwas enttäuscht. Die Häuser von Kairo/Gizeh gehen bis kurz vor die Pyramiden und die Pyramiden liegen wie der Rest von Kairo, in einem starken Abgasnebel. Direkt vor den Pyramiden war der Busparkplatz, der den Anblick der Pyramiden noch mehr verschandelt. Durch unser verkürztes Programm, hatten wir leider keine Zeit die Pyramiden von Innen zu besichtigen, was für mich eine weitere Enttäuschung war. Nach einem kurzen Aufenthalt ging es dann weiter zur Sphnix. Auch diese habe ich mir anders vorgestellt (durch diverse Bilder). Trotz allem, waren die Pyramiden und die Sphinx aufjedenfall beeindruckende Bauwerke, enttäuschend war nur, was aus der Umgebung gemacht wurde, wodurch diese einmaligen Bauwerke viel an Flair verloren haben.
Nach Gizeh fuhren wir dann zu einer islamischen Moschee in der wir uns mindestens eine Stunde aufgehalten haben und uns viel über den Islam erzählt wurde. Versteht mich jetzt bitte nicht falsch, der Bericht und die Moschee waren interessant, aber aufgrund des kurzen Programms hätte ich diesen Teil lieber ausfallen lassen und dafür (z.B.) die Pyraminden von Innen besichtigt. Nach der Moschee ging es ersteinmal zum Essen. Das Restaurant lag direkt am Nil und das Essen war sehr gut.
Anschließend fuhren wir weiter zum bekannten Kairoer Museum. Auch hier, hatten wir aus Zeitgründen nur ein verkürztes Programm. D.h. unsere Besichtigung hat sich fast nur dem Ausstellungsteil von Tutenchamun gewidmet. Dieser Teil des Museums ist aber auch bestimmt der Interessanteste. Der Totenmaske einmal gegenüber zu stehen, war schon ein bewegender Moment. Auch die anderen Grabfunde waren mehr als beeindruckend. Aus Zeitgründen wurde leider auf die Besichtigung der Mumien verzichtet, was ich auch bedauere. Vom Museum aus ging es dann weiter zum Basar. Der Basar mag vielen Leute gefallen, mein Fall war es nicht. Aber das liegt wohl in meiner Natur, auch in Deutschland meide ich jede Art von Geschäft ;)
Das war also der 1. Tag unseres Urlaub, der gemischte Gefühle hinterlässt. Die knappe Zeit war schon sehr störend. Über die restlichen Tage, kann ich aber nur positives berichten!
Tag 3:
Heute fuhren wir um 6:30 Uhr zum Kairoer Flugplatz um von dort aus nach Luxor, zu unserem Schiff zu Fliegen. Der Flug und die Einschiffung verlief problemlos und wir waren sehr positiv von dem schönen und geplegten Schiff überrascht. An diesem Morgen trafen wir auch zum Ersten mal den Rest unserer Reisegruppe (mit uns 24 Personen) und unseren dortigen Reiseführer Aziz. Nach dem wir unser Zimmer bezogen haben und uns ein wenig an Deck umgesehen haben, ging es auch schon los. Unser erstes Ziel war der Karnak Tempel. Der Karnak Tempel der ca. 3500 Jahre alt ist, ist ein riesiges und sehr beeindruckendes Bauwerk. Wer einmal in der grossen Säulenhalle (134 Stück) gestanden hat, wird die Eindrücke wohl nie vergessen. Welch ein Meisterwerk der altägyptischen Baukunst. Gegen Spätnachmittag (es wurde schon dunkel) fuhren wir zum Luxor Tempel. Dieser ist ebenfalls sehr beeindruckend. Durch die Beleuchtung im Dunkeln ensteht eine ganz besondere Atmosphäre. Vor dem Tempel liegt ein kurzes Stück der Sphinxenallee. Selbst dieses kurze Stück ist schon beeindruckend. Nur ein sehr kleines Stück der Allee ist ausgegraben, der Rest liegt noch unter den Häusern von Luxor (ehemals Theben). Ursprünglich verband die Allee den Tempel von Luxor mit dem Karnak Tempel und war 3km lang.
Tag 4:
Als erstes Stand das “Tal der Könige” auf dem Programm. Hier besichtigten wir 3 Gräber. Jedes der Gräber war für sich hochinteressant. Leider habe ich mir die Namen der Gräber nicht gemerkt. Hier beeindruckte mich vor allem, die Grösse der in den Fels gehauenen Gräber und die Dekoration. Welche eine Arbeit muss es damals gewesen sein, die langen Gänge in den Fels zu schlagen. Vom Tal der Könige ging es dann zum Hatschepsut Tempel. Dieser Tempel unterscheidet sich stark von allen anderen Tempelanlagen und ist sehr gut erhalten. Die gross angelegten Terrassen, die vielen Säulen und Wandmalereien sind ebenfalls sehr beeindruckend. Als nächstes fuhren wir zum Tal der Königinnen, in dem wir 2 Gräber besichtigten. Die Gräber der Könginnen sind kleiner und nicht so aufwendig dekoriert, wie die Gräber im Tal der Könige. Lediglich das Grab von Nefertari muss hier eine Ausnahme sein, welches eines der schönsten Gräber überhaupt sein soll. Die Besichtigung des Grabes sollte aber 100Pfund (ca. 25 Euro) extra kosten, so das wir dieses (auch aus Zeitgründen) ausliessen.
Nachmittags ging es dann mit dem Schiff in Richtung Edfu. An der Schleuse von Esna hatten wir ein wenig Aufenthalt. Das Schiff wurde von kleinen Booten umringt in denen Händler sassen und Ihre Ware verkaufen wollten und mit gezielten Würfen auf das Deck beförderten.
Tag 5:
In Edfu angekommen, stand die Besichtigung des Horus Tempels auf dem Programm.
Dieser schöne Tempel ist dem Falkengott Horus gewidmet. Zurück an Bord ging es weiter mit dem Schiff nach Komombo, dort besichtigten wir den Doppeltempel von Sobek und Haroeris aus der Ptolomäerzeit. Hier waren vor dem Raum mit den Krokodilmumien eine riesige Menschenschlange. In diesem Tempel konnte man auch den Ägyptischen Kalender sehen, der uns von unserem Reiseleiter Aziz sehr gut erklärt wurde. Abends/Nachts fuhr das Schiff dann weiter nach Assuan.
Tag 6:
In Assuan angekommen fuhren wir zum “unvollendeten Obelisken”. Für mich ist es immer noch unvorstellbar, wie die Ägypter es geschafft haben, diese Kolosse herzustellen und zu Transportieren. Der Steinbruch ist mehrere Kilometer vom Nil entfernt. Die Obelisken wurden also von hier aus zum Nil transportiert und dort mit Schiffen zu Ihrem Bestimmungsort gebracht. An einem Obelisken arbeiteten 400 Menschen, 6 Monate lang. Von hier aus ging es weiter zum neuen Assuan Staudamm. Da dieser mich weniger interessierte, überspringe ich ihn mal in meinem Bericht.
Nach dem Staudamm ging es dann mit einem kleinen Schiff zur Insel Philae und zum dortigen Isis Tempel. Dieser Tempel war ursprünglich auf einer anderen Insel, welche durch den Assuan Staudamm fast vollkommen unter Wasser ist. Der Tempel wurde von der Unesco auf eine höher gelegene Insel wieder aufgebaut.
Tag 7:
Heute ging es schon Nachts um 4:00 Uhr mit dem Bus nach AbuSimbel. Zunächst fuhr der Bus zu einem Sammelpunkt an dem sich ca. 80 Busse trafen. Dieser Konvoi wurde vom Militär eskortiert. Immerhin geht es 300 km durch einsame Wüsten. In jedem Bus sassen 2 bewaffnete Männer.
Nach ca. 150km knallte es laut und unser Bus stoppte. Ein hinterer Reifen war geplatzt. Nach ca. 5 Minuten hielt ein kleiner Bus an, der überraschender Weise leer war und uns mitnahm. Der Busfahrer und die 2 Soldaten blieben zurück und reparierten den Reifen, bzw. montierten das Ersatzrad.
Mit etwas Verspätung trafen wir dann auch in Abu Simbel ein. Was soll ich sagen? Wow!! Wohl keine anderen Tempelanlage kann die Baukunst und die Macht der Pharaonen beeindruckender vermitteln als diese 2 Tempel. Der grosse Tempel ist Ramses II gewidmet und der kleinere Nefertari, der 1. Ehefrau von Ramses II. Beide Tempel sind in einem hervorragendem Zustand. Leider mussten auch diese Tempel dem Stausee weichen und wurden in einer spektakülren Rettungsaktion von der Unesco vor der Überflutung gerettet und um ca. 90m versetzt. Vermutlich verloren die Tempel etwas von Ihrem Flair, da sie nicht mehr wie ursprünglich in einer Felswand liegen, sondern in künstlichen Bergen, die im Inneren aus Beton bestehen. Dennoch üben die riesigen Statuen eine unglaubliche Faszination aus, wenn man dabei bedenkt, dass die Statuen und die kompletten Tempel aus dem Fels geschlagen wurden. Das Innere der Tempel ist ebenso beeindruckend wie das äussere Erscheinungsbild. Diese präzise und detaillierte Baukunst ist mehr als beeindruckend! Nach 2 Stunden traten wir dann die Rückfahrt nach Assuan an, welche reiblungslos verlief. Der Rest des Tages wurde sich von der doch anstrengenden Fahrt, erholt. Abends macht wir noch mit einer kleinen Gruppe einen Ausflug zum Basar von Assuan.
Tag 8:
Heute Morgen stand ein Fakultativer Ausflug zu einem Nubischen Dorf auf dem Programm. An diesem habe ich nicht teilgenommen, somit kann ich dazu nichts schreiben. Die Bilder auf der HP sind von meiner Frau, die daran teilnahm. Gegen Mittag trat unser Schiff die Rückfahrt nach Luxor an.
Abends stieg noch eine orientalische Party auf dem Schiff. Die meisten Gästen kostümierten sich entsprechend. Unsere Gruppe war wohl die Aktivste und ist erst gegangen, als das Licht eingeschaltet wurde. ;)
Tag 9:
Dieser Tag wurde komplett auf dem Schiff verbracht, während dieses nach Luxor fuhr. Gegen 16:00 Uhr legten wir mit dem Schiff in Luxor an. Abends konnte man noch an einer Fakultativen Licht & Ton Show im Karnak Tempel teilnehmen, welches wir auch taten. Zu Beginn der Show ging man mit einer grösseren Gruppe durch den Tempel und hielt an verschieden Punkten an, dort wurden dann mit Licht & Ton alte Geeschichten erzählt. Wegen etwas Übelkeit meinerseits verließen wir die Gruppen und gingen zum Ausgang zurück. Nach ca. 20 Minunten beruhigte sich mein Magen wieder und wir wollten uns den Rest der Show ansehen. Die Gruppe war mittlerweile an der Tribüne beim Heiligen See angekommen. Das heißt wir mussten durch den dunklen Tempel bis dorthin gehen. Ein Aufseher mit Taschenlampe begleitete uns. Die Show selbst war etwas eintönig. Von einer Lichtshow haben sich die meisten mehr erhofft. Aber der Spaziergang, fast alleine durch den dunklen Tempel und dem Säulensaal, war ein weitaus größeres Erlebnis, als die Lichtshow :)
Tag 10:
Heute ging es dann mit dem Bus los in Richtung Hurghada. Ca. 300km quer durch die Wüste. Die Fahrt verlief ohne Probleme. In Hurghada angekommen, gab es ein kleineres Problem mit dem Hotel. Kurz vor Fahrtantritt wurde dieses von uns und ein paar anderen umgebucht (aufgrund einer EMail Anfrage). Der Reiseleiter vorort weigert sich zunächst und behauptete nicht darüber informiert zu sein und das von uns neu gebuchte Hotel sei komplett belegt. Da wir dennoch darauf bestanden die Sachlage zu klären, rief er dann beim Reiseveranstalter an...bekam ein blasses Gesicht und brachte uns in das gewünschte Hotel, welches beim besten Willen noch lange nicht ausgebucht war.
Tag 11-15:
Diese Tage verbrachten wir in unserem Hotel Desert Rose, in welchem wir bereits im März dieses Jahres eine Woche verbracht haben. Alleine, das wir zum 2. mal dieses Hotel wählten, zeigt, dass wir sehr zufrieden waren. Eine sehr grosse (neue) saubere Anlage, mit klasse Essen und super Service. Wer wollte, konnte sich den ganzen Tag durch, mit den Animationsprogrammen beschäftigen. Ein kleinen Schnorchelausflug zu den Riffen, in der Nähe der Hotelbucht, war das einzigste Aktive, was wir in Hurghada unternommen haben. Am 13. Tag hat sich unsere Gruppe noch einmal Abends getroffen. Da wir in unterschiedlichen Hotels waren, haben wir sozusagen ein Abschiedstreffen gemacht.
Tag 16:
Diese Nacht haben wir nicht mehr geschlafen, da unser Flieger Nachts um 2:00 Uhr startete. Ohne Probleme trafen wir erschöpft, aber immer noch voll mit Eindrücken in Berlin an.
Fazit:
Dieser Urlaub bleibt wohl für immer unvergessen. Liegt bestimmt auch daran, dass Ägypten mich schon seit meiner Kindheit fasziniert, aber auch an der Reise selbst. Bis auf die geschilderten Probleme verlief die Reise wirklich 1A. Alles war Bestens organisiert und das ein Flugzeug mal kaputt geht, dafür kann kein Reiseveranstalter etwas.
Auch unsere Reisegruppe hat dazu beigetragen. Die Leute aus der Gruppe haben wirklich gut Zusammengepasst, sich prima verstanden und wir hatten jede Menge Spass miteinander.
Wir stehen immer noch in EMail Kontakt.
Die Hotels, dass Schiff....waren einfach Klasse und es gibt nichts, über das ich mich hier beklagen könnte. Ausser, dass man je nach Lage der Kabine, Nachts die Schiffsmotoren ganz gut hören konnte. Obwohl ich eigentlich empfindlich bin, hielt mich das aber nicht vom Schlafen ab. Erstens ist es ein absolut monotones Geräusch und 2. ist man nach den anstrengenden Besichtigungen so kaputt, dass man wohl bei jedem Krach einschlafen könnte ;)
Zum Schluß möchte ich mich aber noch besonders bei Aziz unserem Reiseleiter, der uns während der Nilkreuzfahrt begleitet bedanken. Seine nette und symphatische Art hat stark zum Gelingen dieser Reise beigetragen. An vielen Abenden habe ich mit ihm auf Deck gesessen und sehr interessante, teilweise sehr private, Unterhaltungen geführt. Jede Nacht habe ich mich auf dem Deck des Schiffes, für mindestens eine halbe Stunde, vorne am Bug hingesetzt, der zu dieser Zeit immer ganz leer war und die Reise genossen und die Eindrücke des Tages noch einmal verarbeitet.

Ich hoffe, mein Bericht war nicht zu lang und auch nicht zu kurz und hat euch ein wenig Gefallen.
Über Kommentare in meinem Gästebuch freue ich mich natürlich ;)

Euer Holger
P.S.
Dies war bestimmt nicht unsere letzte Nilkreuzfahrt!